Asthma verstehen und lösen: was hinter der Atemnot stecken kann
Warum die Luft bei manchen Menschen im Stress knapp wird, und bei anderen erst wenn der Stress vorbei ist, und was Belastung, Angst und alte Erlebnisse damit zu tun haben können.
Inhalt des Artikels
- Drei Dinge passieren gleichzeitig, wenn die Luft knapp wird
- Der überraschende Teil: eng wird es oft erst in der Ruhe
- Die Stewardess: wenn Belastung die Luft nimmt
- Warum aus einem Anfall ein Dauerzustand wird
- Nicht der Streit entscheidet, sondern das Verhältnis
- Allergisches Asthma: wie ein Gräserfeld zum Auslöser wird
- Wenn die Luft selbst belastet ist
- Wenn nicht die Bronchien eng werden, sondern der Kehlkopf
- Was Rainer zum Thema Therapie sagt
- Was du mitnehmen kannst
- Häufige Fragen (FAQ-Block, auch als FAQPage-Schema)
- Hinweis
2009 gerät ein Flugzeug in Turbulenzen. An Bord bricht Panik aus. Eine Stewardess will helfen, beruhigen, alles im Griff behalten. Und bekommt dabei selbst keine Luft mehr. Das war der Moment ihres ersten Asthmaanfalls.
Danach kamen die Anfälle immer wieder. Erst nur bei Stress an Bord, später auch beim Fahrradfahren mit ihrem Partner, wenn sie das Gefühl hatte, nicht mithalten zu können.
Der Anfall im Flugzeug kam nicht aus dem Nichts. Er hatte eine Vorgeschichte, und was danach kam, hatte ein Muster.
Eins vorweg, weil das Thema ernst ist. Rainer Körner sagt es in seinem Webinar gleich im ersten Satz: „Wenn ihr Symptome habt, bitte lasst euch ärztlicherseits behandeln." Dieser Artikel erklärt eine Sichtweise. Er ist keine Anleitung, irgendetwas an deiner Behandlung zu ändern.

Drei Dinge passieren gleichzeitig, wenn die Luft knapp wird
„Die Bronchien sind verengt" klingt nach einer einzigen Sache. Es sind aber drei, und sie betreffen drei verschiedene Vorgänge.
Das erste ist die Kontraktion der Bronchialmuskulatur, also der glatten Muskelschicht, die um die Atemwege herum liegt. Für Rainer ist das ein wesentlicher Teil beim Asthma. Das zweite ist die Entzündung der Bronchialschleimhaut, der Innenwand. Sie schwillt an und verengt zusätzlich. Das dritte ist der zähe, glasige Schleim, den die Becherzellen und die kleinen Drüsen in der Schleimhaut produzieren.
Daraus resultieren Symptome, die jeder Betroffene kennt: Atemnot, trockener Husten, beschleunigte Atmung, pfeifende und brummende Atemgeräusche, und dieses Erstickungsgefühl, das oft mehr Angst macht als die Atemnot selbst. Bei den meisten ist vor allem das Ausatmen erschwert.
Warum das wichtig ist: Wenn drei verschiedene Gewebe beteiligt sein können, dann kann Asthma bei zwei Menschen völlig unterschiedlich verlaufen. Und dann lohnt es sich zu fragen, welcher Anteil bei wem überhaupt im Vordergrund steht.

Der überraschende Teil: eng wird es oft erst in der Ruhe
Die meisten stellen sich vor, dass bei Stress alles verkrampft, auch die Atemwege. Bei einem Teil der Fälle ist es andersherum.
Rainer erklärt das mit einem Bild, das hängen bleibt. Der Wolf holt mehr Luft, weil er dann lauter heulen und seine Stärke zeigen kann. Wer sich bedroht fühlt und sich behaupten muss, braucht mehr Luft, nicht weniger. In dieser Sichtweise stellt der Körper die Atemwege in so einer Phase eher weit. Erst wenn die Anspannung nachlässt, kippt es in die Gegenrichtung, und genau dann kann die verstärkte Kontraktion kommen.
Beim Belastungsasthma läuft es anders. Da kommt die Verengung während der Anstrengung, und dahinter steht das Erleben, einer Belastung nicht gewachsen zu sein. Rainer nennt es Druck von außen: körperlich oder seelisch überwältigt zu werden.


Für dich als Betroffenen ändert das vor allem eine Frage. Nicht nur: Was war im Moment des Anfalls? Sondern auch: Was war in der Zeit davor?
Die Stewardess: wenn Belastung die Luft nimmt
Zurück in das Flugzeug. Die Patientin arbeitete von 2008 bis 2015 als Stewardess und hatte vorher keine körperlichen Probleme. Die Turbulenzen 2009, die Panik der Passagiere, ihr eigener Anspruch zu helfen: In dieser Situation kam der erste Anfall.
Danach reichte weniger. Wenn einfach viel zu tun war an Bord, kam es wieder. Dazu kam die Angst vor dem nächsten Anfall ausgerechnet in der Luft, und das machte es nicht besser. 2015 hat sie den Job aufgegeben, und die Anfälle wurden weniger.
Aufgehört haben sie nicht. Beim Radfahren mit ihrem Partner, wenn sie das Gefühl hatte, nicht ausdauernd genug zu sein. Beim Tennis, wenn er streng mit ihr umging.
Das ist der Punkt, an dem das Muster sichtbar wird. Nicht die Anstrengung an sich war der Auslöser, sondern das Gefühl, ihr nicht gewachsen zu sein.


Warum aus einem Anfall ein Dauerzustand wird
Ein einzelner Asthmaanfall kommt vor und bleibt ein einzelner Anfall. Chronisch wird es in dieser Sichtweise durch Wiederholung. Bei der betroffenen Frau waren es die wiederholten Stresssituationen an Bord bzw. nach ihrer Kündigung die Stresssituationen mit ihrem Partner.
Eine zweite Patientin erfuhr im September 2021, dass ihr Partner eine Freundin hat. Sie blieb zunächst bei ihm. Nachdem sie den ersten Schock überwunden hatte, kam der erste Asthmaanfall. Danach jedes Mal wieder, wenn sie den Verdacht hatte, er treffe sich mit der anderen. Ende Oktober kam die Trennung, unschön, und unmittelbar danach der nächste Anfall. Beide wohnten weiter in derselben Stadt. Am 13. November, am 31. Dezember und am 6. Januar traf sie ihn zufällig, teilweise mit unschönen Wortwechseln. Jedes Mal kam danach ein Anfall.
Zwischen diesen Episoden lagen beschwerdefreie Zeiten. Genau das ist gemeint, wenn im BioLogischen Heilwissen von Konfliktwiederholung die Rede ist: nicht ein Dauerreiz, sondern dieselbe Situation, immer wieder, mit Pausen dazwischen.

Und dann ist da noch etwas, das jeder Betroffene kennt. Die Atemnot wird selbst zum nächsten Thema. Rainer beschreibt es als Konflikt, den Luftbrocken nicht hinein oder nicht hinaus zu bekommen: die Angst im Anfall, keine Luft zu kriegen. Er nennt das einen Folgekonflikt, und er hält ihn für einen der wichtigsten Punkte überhaupt, weil er sich nach seiner Beobachtung an das Ausgangsproblem anhängt. In dieser Sichtweise kommt darüber die vermehrte Schleimproduktion ins Spiel, und bei manchen verdickt sich die Schleimhaut über die Jahre mit jedem Anfall ein Stück weiter.
Nicht der Streit entscheidet, sondern das Verhältnis
An dieser Stelle macht Rainer einen Schritt zurück, weg vom Asthma. Ob eine Situation zum Konflikt wird, hängt nach seinem Grundprinzip nicht an der Situation allein, sondern am Verhältnis zwischen Belastung und eigener Kapazität.
Sein Bild dafür: Jemand, der untrainiert ist, bekommt einen Schlag in den Bauch und bricht zusammen. Ein Boxer steckt denselben Schlag in den Bauch weg, weil er trainiert ist, weil der Bauch stark ist. Der Schlag ist derselbe. Was zählt, ist, welche Kraft ihm entgegensteht.
Was diese Kapazität mit Konflikten umzugehen hebt, zählt er ganz klar auf: Wissen und Verstehen, Ressourcen, Freunde im Umfeld, die Fähigkeit zu kommunizieren, ein bewusster Umgang mit dem eigenen Atem in Stresssituationen. Wie man daran konkret arbeitet, ist Inhalt seiner Kurse und der therapeutischen Arbeit..
Allergisches Asthma: wie ein Gräserfeld zum Auslöser wird
Ein Mädchen ist im Schullandheim. Mehrere Jungs nehmen sich die langen Gräser, die dort wachsen, und „verdreschen“ sie damit. Für sie eine heftige Situation.
Jahre später löst der Kontakt mit Gräsern bei ihr den Asthmaanfall aus. Ohne Jungs, ohne Ärger, nur Gräser.
Das erklärt den Begriff „Schiene“ besser als jede Definition. Im Moment eines Konflikts speichert der Körper nach dieser Sichtweise auch die Begleitumstände mit ab. Tauchen die Begleitumstände später wieder auf, kann die Reaktion auftreten, obwohl von der ursprünglichen Situation nichts mehr da ist.
Das erklärt auch, warum die Auslöser-Liste beim Asthma so lang ist: Pollen, Hausstaubmilben, Tierhaare, Schimmelpilzsporen, kalte Luft, Staub, Rauch, Haarspray, Parfüm. Manches davon muss gar keine Schiene sein. Wenn die Bronchialschleimhaut entzündet und dadurch empfindlicher ist, reicht unter Umständen schon kalte Luft für eine Reaktion.

Einer auf dieser Liste steht selten in Ratgebern: das Mini-Verschlucken. Wenn beim Trinken ein kleines bisschen Wasser in die Luftröhre gerät, ist das kein dramatisches Verschlucken, aber es reizt die Bronchien. Und diese Reizung kann nach Rainers Beobachtung einen Anfall auslösen. Wer nach seinem Auslöser sucht und nichts findet, übersieht so etwas leicht.
Wenn die Luft selbst belastet ist
Eine dritte Patientin arbeitete in Russland in einer Fabrik, in der Aluminium beschichtet wurde. Sie war den Dämpfen dauerhaft ausgesetzt, und immer wenn die Belastung stärker war, kamen ihre Anfälle.
Rainer ordnet das als Giftbelastung ein, und der biologische Sinn dahinter ist in dieser Sichtweise naheliegend: Die Bronchien machen zu, um nicht zu viel von der belasteten Luft hereinzulassen. Gleichzeitig kann mehr Schleim entstehen, in dem sich die Stoffe fangen und wieder heraustransportiert werden können.
Auch hier kann sich eine Schiene bilden. Später reicht dann womöglich eine leichte Belastung oder z.B. nur Abgase in der Luft, um dieselbe Reaktion auszulösen.

Wenn nicht die Bronchien eng werden, sondern der Kehlkopf
Es gibt eine Form, die oft mit Asthma verwechselt wird und einen anderen Hintergrund hat: das Kehlkopf-Asthma, auch Vocal Cord Dysfunction oder Stimmband-Asthma genannt.
Das Unterscheidungsmerkmal ist griffig. Beim gewöhnlichen Asthma bronchiale bekommt man die Luft tendenziell schwerer heraus, beim Kehlkopf-Asthma schwerer hinein. Rainer bringt es mit Schreckangst-Konflikten zusammen. Wenn man erschrickt, zieht man die Luft scharf ein und sagt nichts. Genau in diesem Reflex sieht er die Verbindung zwischen Schreck, Kehlkopf und Stimme.
Ähnliches beschreibt er beim Pseudokrupp bei kleinen Kindern. Kinder seien in dem Alter sehr sensibel und reagierten auf Stimmungen im Umfeld, auf Streit zum Beispiel, ohne das bewusst einordnen zu müssen.
Was Rainer zum Thema Therapie sagt
Er beginnt nicht mit einer Methode, sondern mit einer Frage: Was ist bei diesem einen Menschen überhaupt der Auslöser? Giftbelastung, Revierangst, Überlastung, eine alte Schiene? Die Antwort ist bei jedem anders, und nach seiner Erfahrung löst sich manches schon dadurch, dass jemand seinen eigenen Konfliktverlauf und damit den wesentlichen Krankheitsauslöser zum ersten Mal so klar vor sich sieht.
Die Arbeit am Auslöser selbst gehört für ihn in fachkundige Hände. Er nennt die Konflikt- und Traumatherapie, die genau dafür geschaffen wurde um diese speziellen Konflikte zu lösen.
Konkret weitergeben lässt sich ein Punkt: die Atemarbeit nach Konstantin Buteyko. Durch die Nase atmen statt durch den Mund, tagsüber wie nachts. Langsamer atmen. Die meisten Menschen atmen zu schnell und nehmen dadurch paradoxerweise zu wenig Sauerstoff auf. Rainer, selbst Yoga- und Atemlehrer, hält das für jeden sinnvoll, nicht nur für Menschen mit Asthma. Dennoch bei Menschen mit Asthma gibt es sehr gute Erfahrungen. Sein Merksatz: Der Mund ist zum Essen da und zum Küssen, nicht zum Atmen bzw. nur im Notfall. Wer joggt und es über die Nase nicht schafft, ist schlicht für seine Verhältnisse zu schnell unterwegs.
Und dann ist da seine eigene Therapie-Folie. Ganz unten, gleichberechtigt neben allem anderen, steht ein Wort: Notfallmedizin.

Am Ende des Webinars wird er noch einmal deutlich: Wenn es einen Notfall gibt, dann die Medikamente nehmen oder den Notarzt rufen. Nichts an dieser Sichtweise ersetzt Medikament, Notfallspray oder Arzt.
Was du mitnehmen kannst
Keine Erklärung für deine Atemnot. Eher zwei Fragen, die du dir stellen kannst.
Was war in der Zeit los, bevor der erste Anfall kam? Und kommen deine Anfälle eher während einer Belastung, oder eher danach, wenn eigentlich Ruhe eingekehrt ist?
Beides ist keine Diagnose. Es ist eine Beobachtung. Was sie bedeutet, gehört in fachliche Hände.
Wenn Du den Auslöser und die Ursache Deines Asthmas klar herausarbeiten kannst, wie es hier in diesem Artikel dargestellt wurde, lassen sich die Therapieimpulse sehr gezielt ansetzen.
Asthma-Webinar, die Aufzeichnung
Knapp zwei Stunden mit Rainer Körner: die beteiligten Gewebe, ihre Themen und der Verlauf in Ruhe erklärt, mit den vier Fällen aus diesem Artikel.
Grundlagenseminar BioLogisches Heilwissen
Der Einstieg in die Zusammenhänge hinter diesem Artikel. Danach kannst du nicht nur die Atemwege einordnen, sondern jedes Organthema.
Häufige Fragen (FAQ-Block, auch als FAQPage-Schema)
Kann Asthma seelische Hintergründe haben?
Im BioLogischen Heilwissen werden die Atemwege als Gewebe verstanden, das auf bestimmte Belastungen reagieren kann: auf das Gefühl, einer Anstrengung nicht gewachsen zu sein, oder auf die Angst um den eigenen Bereich. Das ist ein zusätzlicher Blickwinkel und kein Ersatz für die medizinische Behandlung von Asthma.
Warum kommt der Anfall manchmal erst nach dem Stress?
Weil die Bronchialmuskulatur in dieser Sichtweise nicht bei jeder Form gleich reagiert. Bei einem Teil der Fälle stellt der Körper die Atemwege unter Anspannung eher weit, und die verstärkte Kontraktion kommt erst, wenn die Anspannung nachlässt. Deshalb lohnt der Blick auf die Zeit vor dem Anfall.
Wieso reagiere ich auf Pollen, obwohl früher nichts war?
Rainer Körner beschreibt das als Schiene: Im Moment einer belastenden Situation speichert der Körper auch die Begleitumstände mit ab. Wenn diese Begleitumstände später wieder auftauchen, kann die Reaktion mitkommen, obwohl die ursprüngliche Situation längst vorbei ist.
Was ist der Unterschied zwischen Asthma und Vocal Cord Dysfunction?
Beim Asthma bronchiale ist das Ausatmen tendenziell erschwert, weil sich die Bronchien verengen. Bei der Vocal Cord Dysfunction, auch Kehlkopf-Asthma genannt, ist eher das Einatmen erschwert, weil die Enge im Bereich des Kehlkopfs sitzt. Die Unterscheidung gehört in ärztliche Hände.
Darf ich meine Asthma-Medikamente wegen dieser Sichtweise absetzen?
Nein. Asthma kann lebensbedrohlich sein. Medikamente, Notfallspray und ärztliche Kontrolle bleiben die Basis. Änderungen an der Behandlung gehören ausschließlich in ärztliche Hände. Rainer Körner führt die Notfallmedizin auf seiner eigenen Therapie-Folie auf und weist im Webinar dreimal auf ärztliche Behandlung hin.
Hinweis
Asthma ist eine ernstzunehmende Erkrankung, ein Asthmaanfall kann lebensbedrohlich sein. Die Inhalte auf diesem Blog dienen ausschließlich der Information und Bildung. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung und sind keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Setze niemals Medikamente oder Notfallmittel eigenmächtig ab und halte dich an deinen ärztlichen Behandlungsplan. Bei akuter Atemnot rufe den Notruf (112). Das BioLogische Heilwissen versteht sich als Ergänzung zur schulmedizinischen Versorgung, nicht als Ersatz.
Quellen
- Webinar „Asthma mit dem BioLogischen Heilwissen entschlüsselt“ mit Rainer Körner, Aufzeichnung vom 04.05.2022
Dieser Artikel beschreibt eine Sichtweise des BioLogischen Heilwissens nach Rainer Körner. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Jeder Mensch und jede Situation sind individuell.