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Symptome verstehen · 01.09.2026 · 7 Min. Lesezeit

Migräne verstehen: warum sie oft kommt, wenn der Stress vorbei ist

Warum der Anfall selten mitten im Trubel kommt, sondern am Feierabend, am Wochenende und in den ersten Urlaubstagen, und welche Konflikte im BioLogischen Heilwissen dahinterstehen.

Inhalt des Artikels
  1. Was bei einer Migräne passiert
  2. Frontalangst: es kommt etwas auf mich zu
  3. Die Heilpraktikerin nach der Prüfung
  4. Die Kassiererin: was unter der Schlange lag
  5. Die Lehrerin, die keine wurde
  6. Die Hausfrau und der verpasste Abschied
  7. Drei Fragen, die Rainer jedem Betroffenen stellt
  8. Wenn die Migräne einen Kalender hat
  9. Nicht jeder Kopfschmerz ist Migräne
  10. Was Rainer zum Thema Therapie sagt
  11. Was du mitnehmen kannst
  12. Häufige Fragen
  13. Hinweis

Freitagnachmittag im Supermarkt. An der Kasse bildet sich eine Schlange, zehn, fünfzehn, zwanzig Menschen, alle genervt: Was dauert das hier so lange, kann man nicht eine zweite Kasse aufmachen? Die Kassiererin, 48, arbeitet gegen die Schlange an und ist im reinen Stress. Kopfschmerzen hat sie dabei keine.

Die kommen später. Am Abend, zu Hause, wenn endlich Feierabend ist. Ihre Feierabend-Migräne, so regelmäßig, dass sie den freien Abend fürchten lernte.

Wer regelmäßig Migräne hat, kennt diese bittere Pointe: Der Anfall kommt selten mitten im Trubel. Er kommt, wenn der Druck nachlässt, am Feierabend, am Wochenende, in den ersten Urlaubstagen. Im BioLogischen Heilwissen ist genau das kein Zufall, sondern der Schlüssel zum Verständnis. Rainer Körner hat dem Thema ein eigenes Webinar von dreieinhalb Stunden gewidmet, aus dem dieser Artikel das Wichtigste zusammenfasst.

Vorweg, weil Kopfschmerz ein ernstes Symptom sein kann: Neu aufgetretene, ungewöhnlich starke oder anders als sonst verlaufende Kopfschmerzen gehören ärztlich abgeklärt, immer. Dieser Artikel erklärt eine Sichtweise, keine Behandlung.

Was bei einer Migräne passiert

Rainer ordnet die meisten Migräne-Formen der Innenwand der Hirngefäße zu. Jedes Blutgefäß besteht aus mehreren Schichten: innen eine Auskleidung, darum glatte Muskulatur, außen Bindegewebe.

Der Ablauf, den er beschreibt, hat zwei Phasen. In einer belastenden Zeit baut die Innenwand der Hirngefäße Zellen ab. Das klingt nach Schaden, hat in dieser Sichtweise aber einen Sinn: Ein weiter gestelltes Gefäß lässt mehr Blut durch, das Gehirn wird besser versorgt, man kann besser denken, lernen, reagieren. Genau das braucht man, wenn etwas Bedrohliches ansteht.

Ist die Situation vorbei, beginnt die Reparatur. Die Gefäßwand baut sich wieder auf, das Gefäß weitet sich, es entsteht eine Entzündung. Und eines der klassischen Entzündungszeichen ist der Schmerz. Eine entzündete Vene im Unterschenkel tut weh. Ein entzündetes Hirngefäß tut richtig weh. Das, sagt Rainer, ist die Migräne: ein Symptom der Erholungsphase, nicht der Stressphase.

Er verweist darauf, dass diese Deutung zur Forschung passt: Auch die Schulmedizin bringt den Migräneschmerz mit Weitung und Entzündung der Hirngefäße in Verbindung, und die gängigen Migränemittel, die Triptane, wirken gefäßverengend und entzündungshemmend.

Frontalangst: es kommt etwas auf mich zu

Welche Belastung trifft ausgerechnet die Hirngefäße? Rainer nennt zwei verwandte Konfliktarten. Frontalangst heißt: Es kommt etwas frontal auf mich zu, von dem ich fürchte, es nicht bewältigen zu können. Eine Prüfung, ein Gespräch, ein Termin, eine Konfrontation. Der Ohnmächtigkeitskonflikt ist das Gegenstück: das Gefühl, die Hände gebunden zu haben und nichts tun zu können.

Ein Konflikt in diesem Sinn ist kein Alltagsärger, sondern ein Erleben, das dramatisch und unerwartet trifft. Wie sich das konkret anfühlt, zeigen die Fälle aus dem Webinar am besten.

Die Heilpraktikerin nach der Prüfung

Eine Kollegin von Rainer bereitete sich auf die Heilpraktikerprüfung vor. Vor so einem Prüfungskomitee zu sitzen, hat nach seiner Erfahrung großes Potenzial für Frontalangst: Welche Fragen stellen die mir? Sind die mir wohlgesonnen, oder wollen die mir eins reindrücken?

Sie bestand, beim ersten Mal. Vormittags war die Prüfung, am Abend kam die Migräne, und sie lag erst mal ein paar Tage flach. Ausgerechnet im glücklichsten Moment nach der langen Lernphase. Für Rainer ist das kein Widerspruch, sondern das Muster: Die Anspannung trug sie bis zur Prüfung, dann schaltete der Körper auf Reparatur um.

Die Kassiererin: was unter der Schlange lag

Zurück an die Supermarktkasse. Die Frau bezifferte die Intensität ihres Stressgefühls auf 9 von 10. Woche für Woche dieselbe Situation, Woche für Woche der Feierabend als Entlastung, und mit ihm die Migräne.

In der Konflikt- und Traumatherapie schaute Rainer mit ihr genauer hin. Auf die Frage, was sie über sich denkt, wenn die Schlange wächst, kam ein Satz, der das Ganze trägt: Ich bin schuld, dass die Kunden unzufrieden sind, weil ich nicht schnell genug bin. Das Gefühl hat einen Grund im Gedanken, sagt Rainer. Viele Menschen sitzen an einer Kasse und bekommen keine Migräne. Bei ihr traf die Situation auf diesen Schuld-Gedanken. Rainer erzählt den weiteren Verlauf als einzelne Beobachtung: Danach sei ihre Migräne nicht mehr aufgetreten. Ein einzelner Verlauf lässt sich nicht auf andere übertragen.

Die Lehrerin, die keine wurde

Eine andere Patientin hatte Lehramt studiert. Im Referendariat fiel der Hauptlehrer aus, und sie musste als junge Frau allein die Klasse übernehmen. Die Schüler machten sie fertig. Frontalangst vor jeder Stunde, und zugleich das Gefühl, ohnmächtig zu sein: Mir sind die Hände gebunden, ich kann da gar nichts machen.

Nach heftigen Schultagen kam die Migräne, sie war oft krank und zog irgendwann die Konsequenz: Das kann nicht mein Beruf sein. Sie eröffnete ein Modegeschäft. Interessant ist, was dann geschah: An Tagen, an denen kaum Kunden kamen und sie um die Existenz bangte, fühlte sie sich wieder genauso ohnmächtig. Ich kann die Kunden ja nicht von der Straße reinziehen. Und nach solchen Tagen kam wieder die Migräne. Der Beruf war neu, das Muster war das alte.

Die Hausfrau und der verpasste Abschied

Eine Patientin, 62, bekam ihre Migräne immer, wenn viel Arbeit anstand. Ein Fest für 30 Gäste vorbereiten: Was kommt da alles auf mich zu? Sie schaffte es jedes Mal, und wenn alles geschafft war, kam die Migräne. Dasselbe beim Besuch bei der Tochter, deren Haushalt sie mit aufräumte, unter Zeitdruck, bevor der Schwiegersohn zurückkam.

In der Therapie zeigte sich unter der Neigung, sich mit allem verantwortlich zu fühlen, eine alte Geschichte: Ihre Mutter starb, als sie 15 war. Die 15-Jährige übernahm den Haushalt, sorgte für den Vater, und der Tod der Mutter selbst blieb unbetrauert liegen. Rainer beobachtete bei ihr, dass sich an den aktuellen Situationen allein wenig bewegte, solange diese alte Geschichte unangeschaut blieb. Seine Regel daraus: Situationen zu vermeiden reicht meist nicht, weil sie nur deshalb zum Konflikt werden, weil eine Empfindlichkeit schon da ist.

Drei Fragen, die Rainer jedem Betroffenen stellt

Aus der Anamnese im Webinar lässt sich etwas mitnehmen, das jeder für sich durchdenken kann. Rainer arbeitet mit drei Fixpunkten:

Wann hattest du die Migräne zum letzten Mal? Daran erinnern sich die meisten gut. Eine Patientin antwortete: vor zwei Wochen, auf einer Bergtour, die sie dem Partner zuliebe mitging, während er die Berge hochhetzte. Die Migräne kam am Gipfel, als das Schlimmste geschafft war.

Wann zum allerersten Mal? Bei derselben Frau: mit 16, in der Schule, als der Lehrer sie vor allen zurechtwies. Beim ersten Mal, sagt Rainer, wird die Hauptprägung gelegt.

Und wann am heftigsten? Bei ihr: im Familienurlaub, bei einem Autounfall.

Drei Punkte, ein Muster. Nicht die Anstrengung selbst war ihr Thema, sondern das Gefühl, etwas Kommendem nicht gewachsen zu sein.

Wenn die Migräne einen Kalender hat

Manche Frauen bekommen ihre Migräne zuverlässig zur Menstruation. Rainer erklärt das unter anderem über das, was er Konfliktschiene nennt: Im Moment eines heftigen Konflikts speichert der Körper Begleitumstände mit ab. Fiel ein sehr belastendes Erlebnis zeitlich mit der Menstruation zusammen, kann die Menstruation später allein genügen, um die Reaktion wieder anzustoßen. Dasselbe Prinzip gilt für andere Begleiter: Bei dem einen fliegen gerade Birkenpollen, bei der anderen ist es ein bestimmter Ort. Was wie ein körperlicher Auslöser aussieht, kann in dieser Sichtweise ein gespeicherter Begleitumstand sein.

Nicht jeder Kopfschmerz ist Migräne

Das Webinar heißt bewusst „Migräne und Kopfschmerzen", denn Rainer geht auch die anderen Quellen durch: verspannte Nackenmuskulatur, überanstrengte Augen nach langer Bildschirmarbeit, zugeschwollene Nasennebenhöhlen bei einer Erkältung, und den allgemeinen Kopfschmerz, der viele Entzündungs- und Erholungsphasen begleitet, etwa bei einem Schnupfen. Wer Kopfschmerzen hat, hat also nicht automatisch das Thema Frontalangst. Die Unterscheidung gehört in fachkundige und bei allen Warnzeichen in ärztliche Hände.

Was Rainer zum Thema Therapie sagt

Wie in der Konflikt- und Traumatherapie gearbeitet wird, zeigt Rainer im Webinar am Beispiel der Kassiererin, und der Ablauf ist nüchterner, als man denkt. Am Anfang steht keine Deutung, sondern Stabilisierung: Die Patienten lernen über eine Atemübung, sich zu beruhigen und einen freieren Blick auf die Dinge zu bekommen. Erst wer stabil genug ist, schaut auf die Situation, die den Konflikt ausgelöst hat, mit Techniken, die verhindern, dass das Hinschauen selbst überwältigt.

Dann wird es konkret. Wie fühlt es sich an, wenn die Menschen auf dich zukommen? Was denkst du in dem Moment über dich? Der Gedanke wird herausgearbeitet, weil das Gefühl seinen Grund im Gedanken hat. Verarbeitet wird anschließend unter anderem mit geführten Augenbewegungen, die nach Rainers Beschreibung einen Verarbeitungsimpuls im Gehirn setzen. Und fast immer folgt der Schritt in die Tiefe: die Frage, welche ältere Erfahrung die Empfindlichkeit gelegt hat, wie der Mutter-Tod bei der Hausfrau oder die Schulszene bei der Bergtour-Patientin.

Ob und wie das im Einzelfall passt, entscheidet sich in fachkundiger Begleitung. Ein Versprechen ist es nicht, und als Ersatz für die ärztliche Versorgung taugt es erst recht nicht.

Was du mitnehmen kannst

Zwei Beobachtungen, keine Diagnosen.

Schau nicht nur auf den Tag des Anfalls, sondern auf die Zeit davor: Gab es eine Anspannung, etwas, das auf dich zukam? Kam der Anfall, als es vorbei war? Und wenn die Migräne immer wieder kommt: Erinnere dich an das erste Mal, das letzte Mal, das heftigste Mal. Wenn sich dort dasselbe Gefühl wiederholt, hast du einen Faden in der Hand. Was er bedeutet, klärst du am besten mit fachkundiger Begleitung, und die medizinische Abklärung bleibt davon unberührt.

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Häufige Fragen

Warum kommt Migräne oft am Wochenende oder im Urlaub?

Im BioLogischen Heilwissen gilt die Migräne als Symptom der Erholungsphase. Solange die Belastung läuft, ist der Körper auf Bewältigung eingestellt. Erst wenn der Druck nachlässt, beginnt die Reparatur der Gefäßinnenwand, mit Weitung und Entzündung, und das ist der Schmerz. Deshalb trifft es so oft Feierabend, Wochenende und die ersten Urlaubstage.

Was ist ein Frontalangstkonflikt?

Das Erleben, dass etwas frontal auf einen zukommt, von dem man fürchtet, es nicht bewältigen zu können: eine Prüfung, eine Konfrontation, eine wachsende Warteschlange. Sein Gegenstück ist der Ohnmächtigkeitskonflikt, das Gefühl, nichts tun zu können. Beide ordnet Rainer Körner den Hirngefäßen zu.

Warum bekomme ich Migräne zur Menstruation?

Eine der Erklärungen im Webinar ist die Konfliktschiene: Fiel ein belastendes Erlebnis zeitlich mit der Menstruation zusammen, kann der Körper sie als Begleitumstand mit abgespeichert haben. Später genügt dann die Menstruation, um die Reaktion anzustoßen. Ob das im Einzelfall zutrifft, gehört in fachkundige Begleitung; hormonelle Zusammenhänge klärt die ärztliche Diagnostik.

Hilft diese Sichtweise gegen den akuten Anfall?

Nein, darum geht es hier nicht. Der Artikel erklärt, wie wiederkehrende Muster verstanden werden können. Die Behandlung des akuten Anfalls, auch mit Medikamenten wie Triptanen, bleibt Sache der ärztlichen Versorgung.

Darf ich meine Migräne-Medikamente absetzen?

Nein, nicht aufgrund eines Artikels oder Webinars. Änderungen an einer laufenden Behandlung gehören ausschließlich in ärztliche Hände. Neu aufgetretene, sehr starke oder ungewohnte Kopfschmerzen müssen ärztlich abgeklärt werden.

Hinweis

Kopfschmerzen können viele Ursachen haben, darunter auch ernste. Die Inhalte auf diesem Blog dienen ausschließlich der Information und Bildung. Sie ersetzen keine ärztliche Diagnose, Beratung oder Behandlung und sind keine Anleitung zur Selbstbehandlung. Setze keine Medikamente eigenmächtig ab. Neu aufgetretene, ungewöhnlich starke, anders als sonst verlaufende oder von Ausfällen begleitete Kopfschmerzen gehören sofort in ärztliche Abklärung. Das BioLogische Heilwissen versteht sich als Ergänzung zur schulmedizinischen Versorgung, nicht als Ersatz.

Quellen

  • Webinar „Migräne und Kopfschmerzen mit dem BHW lösen“ mit Rainer Körner, Aufzeichnung

Dieser Artikel beschreibt eine Sichtweise des BioLogischen Heilwissens nach Rainer Körner. Er ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Jeder Mensch und jede Situation sind individuell.